Im ersten Gerichtsbuch von Reifenberg haben wir heute entdeckt, dass es in Reifenberg im Jahre 1552 eine weitere Kapelle gegeben haben muss. In einem gerichtlich festgehaltenen Vertrag kauft Conrad von Hattstein dem Großgrundbesitzer Adam Durckel u.a. auch eine große Wiese ab. Hierbei wird auf S.76 dort in der Sang eine Kapelle erwähnt: "... Ein wysse in der Sangen lit oben an Philipßen von Reiffenberg die Kappel oben dort daran ..."

Da unsere Kapelle ja erst im Jahre 1711 gebaut wurde und davor dort das sogenannte Heilige Kreuz stand, ist es nicht sicher ob der gleiche Ort gemeint ist. Dies ist eher unwahrscheinlich. An der Burg ist es auf keinen Fall. "Sang" ist natürlich ein relativer Begriff, da es aus Flurnamenssicht für ein durch Brandrodung gerodetes Gebiet steht. Allerdings ist die Sang auch ein fester Flurname in Reifenberg.

Es gibt aber noch mehr. Denn da dort oben irgendwo eine weitere Kapelle gestanden hat, ist es naheliegend dass es auch dort einmal eine Siedlung gegeben haben sollte. Denn Kapellen sind dort, wo Leute leben und beten. Zwar ist bei Fabricius im Dorf Veltberghausen eine Kapelle eingezeichnet, allerdings lag diese Wüstung nicht in der Nähe der Sang, sondern an der heutigen Siegfriedsiedlung bzw. am dortigen Pechberg.

Hat es also in der Sang einmal eine Siedlung gegeben ? Es deutet noch mehr darauf hin ! Denn die nordöstlich des Sangkopfes liegenden "Pferchwiesen", wo nachweislich noch zu Philip Ludwigs Zeiten Pferde gehalten wurden, könnte auch auf ein Überbleibsel einer Siedlung hindeuten.

Die anderen anliegenden Gebiete in dem Gerichtsbucheintrag befinden sich um die Sang herum. Dort gibt es auch einen "saltz bergk". Gehen wir einfach davon aus, dass der Salzberg in der Nähe der heutigen Sang lag, vielleicht Richtung Neurod oder die lokale Erhebung Richtung Kapelle. Vom Neurod geht heute noch ein kleiner Bach aus der Sang über die Feldbergstraße ins Tal, direkt hinunter in den Salz(!)grund. Der Salzgrund könnte dann vom Salzberg vermutlich seinen heutigen Namen erhalten haben.