Seit Dezember 2015 beschäftigen wir uns mit der Beforschung der Ursprünge der Hattsteiner und der Reifenberger. Seitdem sind extrem viel Material gesichtet worden, Fachliteratur gewälzt, Urkundenbücher durchforstet, Archive besucht und viel mehr gemacht worden. Um dem ganzen Informationswust Herr zu werden, haben wir eine Dokumentations-Datenbank gebaut, die rein geschichtliche Informationen zu Urkunden, Familien usw. enthält. Diese beinhaltet mittlerweile über 230 Urkunden mit über 1000 Personen, etliche Wappen und Informationen über mehr als 100 Familien. 

Hierdurch haben wir bereits erhebliche neue Erkenntnisse gewinnen können. Bis diese Forschung jedoch abgeschlossen sein wird, könnte noch viel Zeit ins Land gehen. Deshalb haben wir uns entschlossen, neue Erkenntnisse, Meinungen zu einigen wichtige Fragestellungen und auch z.B. Urkunden kommentiert zu veröffentlichen. Ziel ist es über unsere Arbeit zu informieren, aber auch um vielleicht das Interesse bei dem einen oder der anderen zu wecken, mit zu recherchieren. Viele Urkunden sind in Klartext lesbar. Problematisch ist es, die Zusammenhänge zwischen weltlichen und kirchlichen Herrschaften, zerklüfteten Hoheitsgebieten und politischen Ereignissen in Einklang zu bringen. Hier hilft nur viel Zeit zum einlesen und die richtigen Personen zu kennen bzw. anzusprechen.

Letzteres führte dazu, dass wir in vielen gedruckten Quellen  recherchierten und Zusammenhänge im Rheingau, Wetterau, aber auch im Königssundergau (Wiesbaden) durchforsteten. Die bisherigen Erkenntnisse über die Familien Biegen, Dorndorf-Dehrn, von Marburg, von Kalsmunt (ehemalige Burg bei Wetzlar), von Krüftel und vielen anderen sind noch lange nicht abgeschlossen, aber doch bereits deutlich erhellt.

Wichtige Erkenntnisse sind aus unserer/meiner Sicht:

  • Die offizielle Meinung, dass 942 nach Christi Geburt ein Reifenberger an einem Ritterturnier teilgenommen hat, sind erfundener Mumpitz aus dem 16. Jahrhundert. Die 1000-Jahr-Feier von 1950 war schön, aber ist nachweislich Makulatur.
  • Die Überschneidungen der Familien Hattstein und von Reifenberg sind eher gering, auch wenn vermutlich eine Blutsverwandschaft bestand. Gäbe es nicht eine einzige Urkunde, die dieses andeutet, müssten wir es aus diversen guten Gründen eher ausschließen.
  • Ein direkte Verwandschaft mit den von Dorndorf-Dehrn sehen wir gar nicht, schließen diese so gut wie aus.
  • Der Wirkungskreis der Familien Hattstein und Reiffenberg war nicht nur in der Limburger bzw. Camberger Gegend. Beide Familien müssen auch bereits sehr früh in Frankfurt gewohnt haben! Aber es dürfte auch ein Zusammenhang mit der sogenannten Gleiberger Erbschaft existieren.
  • Zusammenhänge mit Sulzbach, Kronberg und Kransberg, wie aber auch mit den von Stockheim und dem Gebiet westlich von Büdingen (Burg Höchst & Lintheim) sind bisher aus unserer Sicht ebenfalls unterschätzt worden. Der Rheingau könnte als Ursprung für die Familien in Frage kommen. Auch hier gibt es einige Indikationen.
  • Die bekannten Grundbesitzer des 13. Jahrhundert in unserer unmittelbaren Gegend fanden bisher zu wenig Berücksichtigung in der Forschung. Warum, werden wir ebenfalls beleuchten.
  • Über die Ursprünge des Hattsteiner und Reifenberger Wappens darf ebenfalls spekuliert werden, da es nebst der Begründung des Dorndorf'schen Wappens durch Mielke bzw. Gensicke auch ganz andere Erklärungsmöglichkeiten gibt.

Aber es gibt auch viele interessante Dinge und Fragen, die immer noch unerklärt sind:

  • Wer war Winter I. von Reifenberg (1248 - 1267) ?
  • Warum gibt es bei den Reifenbergern nachweisbare zeitliche Lücken in der Genealogie des 13. Jahrhunderts?
  • Warum sind die Reifenberger in der Ganerbenliste von 1384 nur nebenbei erwähnt? Und woher stammte die ungeklärte Verwandtschaft einiger dieser Ganerben-Familien?
  • Woher stammte die sehr früh nahestehende Familie Biegen, von der 1235 die erste greifbare Urkunde existiert?
  • Welche Verwandschaftsbeziehung bestand zur Familie von Marburg-Bicken?

Dieses und viele andere Themen wollen wir in den nächsten Wochen und Monaten nach und nach aufzeigen. Es wird und bleibt spannend !

Euern' Philu