"Alles begann mit der Weihe unserer alten Kirche, die damals noch eine Kapelle war, am 7. Juli 1898 durch den damaligen Pfarrer Keller aus Oberreifenberg.

Am Vortage nämlich wurden von ihm die beiden ersten Niederreifenberger Glocken geweiht.

Die von Gastwirt Johann Philipp Gutacker geschenkte und der Gottesmutter Maria geweihte Glocke mußte im ersten Weltkrieg, am 27. Juni 1917, abgeliefert werden. Die dem heiligen Josef geweihte Glocke mit einem Gewicht von knapp 150 kg wurde vom damaligen Bürgermeister Ungeheuer gestiftet und ist heute noch vorhanden. Bis zum Neubau des Pfarrzentrums im Zassenrainweg hing diese Glocke im alten Turm, wurde aber nach dem Bau des Glockenturms am Johannisstein zumindest in den letzten Jahrzehnten nicht mehr angeschlagen.

Als man sich nach dem ersten Weltkrieg nicht mehr mit dieser einen recht kleinen Glocke begnügen wollte und in Niederreifenberg ein festlicheres Geläut gewünscht wurde, entschloß man sich zum Kauf von einem Geläut aus drei Glocken, ohne einen entsprechenden Turm zu haben. Den damaligen finanziellen Möglichkeiten entsprechend kaufte man Stahlglocken, die am 4. November 1924 in Niederreifenberg eintrafen. Herr Heinrich Hammer gab ihnen auf seinem Anwesen zunächst ein Obdach, bis man schließlich im Jahr 1925 auf dem sogenannten “Johannisstein” ein Glockenhaus errichtete, da für einen entsprechenden Glockenturm an der Kirche das Geld fehlte. Mit der Fertigstellung des Baues am 19. September 1925 fand nun endlich auch die Glockenweihe statt und das erste festliche Geläut war zu hören."

Quelle: Text aus Heft zur Einweihung der neuen Glocken von 1998, von T.u.S. Eckermann / Pfarrgemeinderat Niederreifenberg

 

PLE-Zusatzinfo: an der Stelle des Glockenturms stand auf dem Johannisstein vorher ein großes Kreuz, siehe auch PLE Heft #4 - "Wegekreuze von Reifenberg, S. 49ff". Diese stand später direkt an der Kirche und wurde dann auch leicht gekürzt am Pfarrzentrum angebracht.

Infos aus der Niederreifenberger Kirchenchronik:

Die Idee einen Turm zu bauen entstand wohl Anfang 1924. Der Marienverein führte zur Sammlung von Geld ein Theaterstück am 11.2.1924 auf. Der Entwurf des Turms stammte vom Tiefbauarchitekt Seibert (seine Frau war eine Reifenbergerin) aus Frankfurt. Gebaut wurde der Turm von der Firma Bokelmann & Küfer in Herdorf. Der Grundstein wurde am 29. August 1925 gelegt, dem Todestag von Johannes dem Täufer. Am 19.9. wurde der Glockenstuhl eingebaut und am 21. die Glocken geweiht und erstmals geläutet ! 

Die Einweihung des Glockenturms wurde leider kurz darauf von einem tödlichen Unglück überschattet. Der Junge Anton Hammer ließ auf einer Wiese Richtung Seelenberg seinen Drachen steigen, der dann an eine Stromleitung geriet. Der Junge war sofort tot und die erste traurige Aufgabe des Glockenhauses war das Grabgeläute des Jungen.

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