Wenn wir heute darüber nachdenken, dass wir schlimme Unwetter haben, sollten wir unsere Geschichte einmal zu Rate ziehen und schauen, was Unwetter für unsere Vorfahren bedeuteten. Eines der schlimmsten uns bekannten Unwetter in Reiffenberg fand in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli statt. Hierüber ist u.a. ein Bericht in der Reifenberger Pfarrchronik erhalten, von dem wir hier zitieren möchten.

Pfarrchronik-Eintrag von Pfarrer Spiess, den er damals an das gräflich Bassenheimische Rentamt schrieb:

"H.H. Amt
Die Nacht vom 20ten auf den 21. Juli war die schrecklich-
ste u. grauenvollste die Reifenberg noch je er-
lebt hat. Einige Stunde lang sah man starke Blitze
u. der fern rollende Donner kam immer näher.
Endlich um halb 10 Uhr Abends hatte das schwere Hochge-
witter unser armes Gebürg erstiegen, u. gänzliche
Vernichtung unsere Bestimmung. Das fürchter-
lichste Kiesel u. Hagelwetter brach über die ganze
Gemarkung von Seelenberg u. Reifenberg herein,
u. dauerte über anderthalb ganze Stunde, Kiesel
von schweren Gewichte, oval rund u. Spiz zerschlugen
von der Wetter Seite Fenster u. Wände. Das schwär-
zeste Dunkel hatte sich über uns gelagert, u. die heftig-
sten Donnerschläge mit feurigsten Blitzen schienen alles ver-
zehren zu wollen. Wiesen u. Felder waren wie in mitte
winter Schneeweis von Hagel belegt. Fleiß u. Hoffnung,
alles war nun gänzlich von der Erde vertilgt. Das halb
reifende Korn zerknickt u. zerschlagen, überflößt u. mit fort-
gerissen, der (?) Hafer ganz entkernt u. das Stroh wie ver-
schwund, alle Kartoffelfelder wie ein Brachfeld, alles
Kraut im Acker verschwunden, die Felder alle an abhangenden
Bergen ihrer gedüngte Erde entblöst, uns nur den
kahlen Felsen zeigend (?). Die Kartoffeln größentheils
mit fortgeschwemmt oder liegen auf bloser Erde u. Kiese
zum verdorren da. Alles zerschlagene Gras ist fort, denn
auf das erste alles zerstörende Hagelwetter folgte 2. andere
mit den stärksten Regengüssen, die bis 8 morgens
dauerte. Der Weiherdamm in Niderreifenberg war
durchbrochen, die Brücke mit Plök u. Pfeiler fort, u. am
morgen fanden sich zusammenverbunden Kieselmassen
von 4 schuh dick, 6 schuh lang u. breit. u. um Mittag
12 Uhr war noch viele Gegend auf Feld u. Wiesen
mit weisem Hagel bedeckt, des stärksten Regens ohnge-
achtet, der bis 8 Uhr dauert, in der ein … (# hier fehlt ein Teil Text)
ja was noch mehr auf die Menge von Kiesel im Wald u. zer-
schlagenen Stroh schliesen läßt, noch fliesen Ströme von
Wasser über Wiesen u. Felder, u. noch liegen in Wälder
u. Haushöfe heute große Hauf Kiesel. Alle Ge-
müser sind so ruiniret, daß auch nicht einmal ein
Salat im Orte zu sehn u. zu haben ist. Alle Menschen
ahnde das schrecklichste, aller Nahrung für sich u. ihr Vieh
entblößt, in tiefen Schulden stekend, sowohl einzeln, als
die ganze Gemeind. Aller Nahrungszweige entblößt.
Hoffen Sie nur noch einzig, dass h. Amte werde diese jäm-
mernde Noth hohe (?) Reg(ieru)ng zur Kenntnis bringen
u. einige Unterstüz(un)g für Sie erwirken.
ist ein Reifenberg dem große Elend Preis gegeben seine
Viehheerd um jeden Preis abgeben zu müssen, aller
Dung im Feldbau ist dann auf viel Jahre verlohren.
Armuth u. Elend in den Häuser umso größer, denn es ist
altes Sprichwort. eine Kuh deckt viel Armuth zu
wenn nicht durch irgend ein Mittellosen wenigst noth zum
Theil nur gesteuert wird."

Weitere Informationen über diesen Vorfall existieren noch, die wir aber erst mit dem Abschluss unserer Mühlen- und Weiher-Dokumentation veröffentlichen wollen. An dieser Stelle sei nur angemerkt: Niederreifenberg war ein Mühldorf, mit teils großen Weihern und etlichen wasserkraft-basierenden Betrieben.

Zwei große Dämme existierten noch Anfangs des 19. Jahrhunderts: der Friedhofsweg war der früher noch so genannte "Weiherdamm" und unten -mehr oder weniger- die von-Eichendorff-Straße war der zweite Damm für einen noch erheblich größeren Weiher (der Wäschbach bzw. Markgrafenweiher).

Die zugehörigen Mühlen existieren leider nicht mehr. Eine brannte ca. 1843 ab, eine andere (gräfliche Herrenmühle) wurde in ein Wohnhaus umgewandelt und von einer dritten ist der Standort heute nicht mehr bekannt. Darüber hinaus gab es noch wassergetriebene Schneid- und Sägewerke, die ihre Maschinen am alten Mühlgraben betrieben. Die Firma Herr nutzte diese alte Infrastruktur noch, um damals in Niederreifenberg den ersten Strom zu erzeugen.