Hierzu berichtet der Reifenberger Pfarrer Jakob Hannappel 1850 in den Nassauischen Annalen:

Auf diese1 folgt die siegreiche Fehde gegen die Falkensteiner zu Königstein. Die Ritter von Reiffenberg waren nebst dem übrigen wetterauischen Adel fast in alle Fehden verwickelt, welche der unruhige Philipp VI. von Falkenstein im Jahre 1365 angesponnen, bis zuletzt die Ritter von Reiffenberg mit ihren Ganerben den frevelhaften Uebermuth des tollkühnen Philipp demüthigten.

Diese Fehde selbst beschreibt die Limburger Chronik unter dem Jahrgang 1373 folgendermaßen:

"In demselben Jar waren die von Reiffenberg Feind Junker Philippsen, Herrn zu Falkenstein, und der ward genannt der Stumme von Falkenstein, nicht daß er ein Stummer wäre von Reden, denn er war ein Stummer von Werken. Und dieselben von Reiffenberg erstiegen und gewannen Königstein jenseits der Höhe, und fiengen ihn mit vier seinen Kindern und führten sie aufs ihr eigen Schloß Reiffenberg. Da starb derselbige Junker bei den nächsten acht Tagen. Dann er gar sehr gefallen hatte zu Königstein, und wäre gern geflohen, da das erstiegen ward. (Bei seiner Flucht stürzte er vom Pferde2 und wurde gefangen.) Und die Kinder gaben den von Reiffenberg, daß sie ledig wurden, und ihnen ihr Haus Königstein wieder wurde, zehntausend Gulden. Derselben Kinder ward eines ein Bischof zu Trier, der war genannt Werner."

Hierauf kam ein Friede unter Vermittelung des Erzbischofs Cuno ( von FaIkenstein ) zu Trier, Friedrich Erzbischof zu Cöln, Philipp Herr von Falkenstein und Münzenberg, Ulrich Herrn zu Hanau, Gerhardt Grafen zu Diez, Gottfried Grafen zu Ziegenhain, Gottfried Grafen zu Reineck, Otto Grafen zu Solms, Henrich dem ältesten Sohnes des Grafen von Saarwerden, Herrn Johann von Isenburg, Herrn zu Büdingen und Reinhardt Herrn zu Westerburg zu Stande, wonach die Wittwe dieses besiegten Gottfrieds von Falkenstein, Agnes mit Namen, zur Auslösung, für sich, ihre Kinder und Herrschaft 10.000 Gulden entrichten mußte. ( Eine bedeutende Summe für diese Zeit, wo die Schätze Amerika’s den Geldwerth noch nicht in Europa vermindert hatten ) Außerdem haben noch die Wittwe und ihre Kinder Philipp, Ulrich, Werner, Conradi und die Gräfinnen Anna von Reineck und Agnes von Solms ihre Töchter in guter Treue und an Eidesstatt gelobt und die Brüder öffentlich zu den Heiligen geschworen, stets und fest zu halten zur Entrichtung dieser vorbeschriebenen Summe, als auch zur gänzlichen Sühne und Verzeihung dieses Vorfalls. Da Conrad und Luckel (Ludgard, später verehelicht an Eberhardt von Eppstein) noch minderjährig waren, so haben statt derer die ältesten Geschwister die Verantwortung und Vollstreckung übernommen. Dieser Revers wurde angestellt den 11. Juni 1375. 3


Vom 11. Juni 1375 ist im Hessischen Hauptstaatsarchiv ist noch die Original-Urkunde erhalten:

„Agnes von Falkenstein (Falkensteyn), Frau zu Münzenberg (Minczemberg), ihre Söhne Philipp, Ulrich, Werner und Cuno, ferner ihr Töchter Anne, Gräfin zu Rieneck (Renecken), Agnes, Gräfin zu Solms, und Lukel von Falkenstein bekennen, daß sie durch Vermittlung ihres Vetters Cuno, Erzbischof von Trier, ihren Streit mit denen von Reifenberg, dem Ritter Cuno von Reifenberg, seinem Bruder Friedrich und dem Edelknecht Cuno dem ältesten, in dem das Haus Königstein (Kungestein) von diesen genommen und Philipp von Falkenstein, Herr zu Münzenberg, ihr Gatte bzw. Vater, gefallen und gestorben ist, beendet und verglichen haben. Denen von Reifenberg sollen Verzichtsbriefe zugesandt werden von ihren Verwandten Cuno, Erzbischof von Trier, Friedrich, Erzbischof von Köln, Philipp, Herr zu Falkenstein und Münzenberg, Ulrich, Herr zu Hanau, Gerhard, Graf zu Diez, Gottfried, Graf zu Ziegenhain (Czigenhaen), Godfried, Graf zu Rieneck, Otto, Graf zu Solms, Heinrich, dem ältesten Sohn des Grafen von Saarwerden, Johann von Trenburg, Herr zu Büdingen, und Reinhard, Herr zu Werterburg. Die Brüder Philipp, Ulrich und Werner von Falkenstein verpflichten sich, ihre noch unmündigen Geschwister Cuno und Lukel nach ihrer Mündigkeit zur Anerkennung der Sühne zu bewegen, andernfalls nach Aufforderung Einlager in Frankfurt zu halten.“

Wer nun denkt, dass damit die Fehde beendet war, irrt. Denn vermutlich aufgrund des massiven Aderlass, der dazu führte, dass von den Falkensteinern u.a. etliche Ländereien verpfändet werden mussten (an Philipp VII. von Falkenstein, der zu Hanau lebte), überfiel bereits 1379 Cuno von Falkenstein, Erzbischof von Trier, mit Hilfe mehrerer Städte die Burg Hattstein.

 

1 Die letzte Fehde davor war mit den Hattsteinern, die den Eichelbacher Hof im Jahre 1353 bei einer Hochzeit überfallen hatten. Die Reifenberger halfen bei der Befreiung und erschlugen den geflohenen Übeltäter Friedrich von Hattstein in Limburg.
2 Friedrich Philipp Usener berichtet in seiner Dokumentation „Beiträge zur Geschichte der Ritterburgen“ ebenfalls davon. Allerdings eine andere Version: „Die Reifenberger berannten Königstein und erstiegen das Schloß. Er suchte zu entrinnen, stürzte aber von einer Mauer herab ...“.
3 Beurkundete Nachrichten N. 22.