Am Osterwochenende waren wir nicht nur im Phantasialand, sondern haben auch Bassenheim bei Koblenz einen kleinen Kurzbesuch abgestattet. Interessant ist der zentrale Walpot-Platz, dem gegenüber das Bassenheimer Schloss mit einem riesigen Park liegt. Unserem kleinen Reisebericht haben wir ausserdem ein paar Bilder unten angehängt. Beginnen wir an der zentralen Stelle des Walpot-Platzes: dem Rathaus.

 

Das Rathaus ist ein ehemaliges Gasthaus, was der Ort dem Grafen Casimir Waldbott von Bassenheim zu verdanken hat. Dieses wurde 1720 erbaut. Neben dem Rathaus ist ein Denkmal für Casimir errichtet, der ja auch bei uns die Kapelle, wie in Seelenberg die Kirche 1710/1711 bauen ließ. In der um 1900 gebauten Pfarrkirche St. Martin fand gerade ein Gottesdienst statt, daher machten wir dort natürlich keine Bilder. In dieser ist der sogenannte Bassenheimer Reiter untergebracht, ein Sandstein-Relief, welches Casimir 1683 vor der Zerstörung am Mainzer Dom rettete.

Rechts daneben folgende 3 aneinanderliegende Gebäude: das Pfarramt, das Rentamt und ein weiteres Gebäude. Am Pfarramt ist ein Wappen zu sehen, was überraschenderweise das Reifenberger Wappen in abgewandelter Form zeigt. Wir vermuten hier einen Fehler des Künstlers, da die roten Balken von oben rechts nach unten links laufen. Grund dafür dürfte Johanna Walburga von Reiffenberg (+1651), die Schwester "unseres" Philipp Ludwig von Reiffenberg gewesen sein, die Johann Lothar Waldbott von Bassenheim heiratete. Diese Ehe führte ja dazu, daß Reifenberg -nach vielen langwierigen Gerichtsprozessen und Jahren- an das Haus Bassenheim ging.

Vor diesen Häusern stehen zwei weitere Denkmale: Heinrich Walpot von Bassenheim, der 1191 erster Hochmeister des Deutschen Ordens in Jerusalem beim 3. Deutschen Kreuzzug wurde und daneben Siegfried Walpot, der Komtur des Deutschen Ordens war.

Weiter um den Walpot Platz herum geht es nun zum Martinus Museum. Dieses war leider geschlossen. Daneben steht ein weiteres ehemaliges gräfliches Gebäude, welches 1720 von Casimir für die Bediensteten der Burg gebaut wurde. Es war später eine Apotheke und ist mittlerweile leider in keinem besonders guten Zustand mehr.

Wir kommen nun zum "Schloss", welches heute in zwei privaten Händen ist und daher leider nicht betreten werden konnte. Nach Absprache mit dem Rentamt scheint dies aber zumindest teilweise zu gehen. Einer Besitzer ist zudem stellvertretender Vorsitzender des Martinus Museums. Zum Schloss selbst ist zu erwähnen, daß es scheinbar eigentlich eine Burg ist, auch wenn sie nicht wirklich danach aussieht.

Laut der Webseite Bassenheims soll zwischen der Burg und dem Walpotplatz früher ein (weiteres) Schloss gestanden haben, welches allerdings 1937 wegen zu hoher Unterhaltungskosten (!) abgerissen wurde.

Die Familie von Oppenheim muß in Bassenheim ebenfalls eine wichtige Rolle gespielt haben. Diese hatte 1873 die Herrschaft Bassenheim von den Hohenzollern gekauft, die sie ihrerseits 1861 bei einer Zwangsversteigerung vom Grafen Hugo Waldbott von Bassenheim ersteigert hatte.

Die Oppenheimer bauten u.a. das Rentamt, ein Krankenhaus, einen Kindergarten und erweiterten bzw. restaurierten das vorhin erwähnte abgerissene Schloss. Dies scheint aber noch nicht alles zu sein.

Erwähnenswert sind noch 2 weitere Dinge, die mir bei dem Kurzbesuch auffielen: die Türgriffe an der Kirche sind auf den ersten Blick wohl denen unserer Oberreifenberger Pfarrkirche sehr ähnlich. Ich vermute dieses ist Zufall, vielleicht aber auch nicht.

Ebenfalls auffällig fand ich, daß auf dem Friedhof sehr viele "Sauer" lagen. Von einem Bericht des Königsteiner Dr. Friedrich Stöhlker wissen wir über die Bassenheimer, daß ein Abraham Sauer den 1805 verstorbenen Johann Maria Rudolf Waldbott von Bassenheim nach Reifenberg zur Beerdigung überführte. Dieser Sauer lebte auch bei ihm in Friedberg. Dies dürfte aber auch eher Zufall sein, da der Name wohl nicht so selten ist. Bereits 1777 fand ich in einer Einwohnerliste bei uns Ludwig und Johann Wilhelm Sauer. Vermutlich genau dieselben arbeiteten bereits zwischen 1764 und 1769 am Bau des Bassenheimer Renthofs mit, als Nagelschmiede. Sie waren vermutlich Vorfahren des späteren Fabrikaten Paul Sauer. Da Casimir die Nagelschmiede-Industrie in Reifenberg einführte, wäre es gut möglich, daß unsere "Sauers" sogar vielleicht von Bassenheim abstammen.

Genug "geredet". hier nun die Bilder: {gallery}artikel/bassenheim{/gallery}Ich plane übrigens evtl. im Herbst einen weiteren ca. 4-tägigen Besuch in Bassenheim, um auch die weiteren Besitztümer der Bassenheimer in der Gegend zu "erkunden" (u.a. Burg Pyrmont, Olbrück, Königsfeld, Koblenz & Schloss Sevenich).  Wer Interesse hat bei der Tour mitzukommen, möge sich gerne bei mir melden ! Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder einfach anrufen.

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