Das Leben von François Mourenc alias Jean Claude François Marquis de Villeneuve hatte viele Facetten, Höhen und Tiefen. Ohne Zweifel war es einzigartig.

Obwohl über seine Kindheit und Jugend nicht viel bekannt ist, haben die Recherchen durch das "Pfarr- und Ortsarchiv Reifenberg" viel Licht in sein Leben und Wirken gebracht.

François Mourenc ist das Kind einer unehelichen Beziehung zwischen einem einfachen Mädchen aus der Schneiderfamilie Mourenc aus der Stadt Fréjus und dem Marquis Gaspard de Villeneuve. Der Vorname seiner Mutter ist noch unbekannt.

Aus dem Ehevertrag des François Mourenc/Villeneuve aus dem Jahre 1640 geht jedoch hervor, dass die damals bereits verstorbene Mutter einen Teil des Schlosses Callian samt Mobiliar besaß und daraus jährlich 4.100 Livre erhielt.

Das Château de Callian war mehrere Jahrhunderte im Besitz der Familie de Grasse. Sein Vater, der Marquis Gaspard de Villeneuve, hatte 1635 Marguerite de Grasse geheiratet.

Aber auch davor sind Mitglieder des Hauses Villeneuve als "Sieur de Callian" bezeugt, so beispielsweise ein "Malboys de Villeneuve Bargemont", welcher nach Unterlagen des Archives Fréjus bereits um 1590 als solcher erwähnt ist.

Die Beziehungen zwischen den Familien de Grasse und de Villeneuves scheinen daher schon älter gewesen zu sein.

Die Genealogie des Hauses Villeneuve ordnet Mourenc als unehelichen Sohn des Gaspard de Villeneuve ein, was sich durch den uns vorliegenden Ehevertrag und den Besitz des Schlosses Callian durch die Familie de Grasse zu bestätigen scheint.

Allerdings ist François Mourenc/Villeneuve nicht, wie der hervorragende Genealoge Lassigny vermutet, in Venedig gestorben, sondern, wie der Reisebericht des Freiherrn von Degenfeld zeigt, nachweislich 1662 auf der Insel Zakynthos. Dort ist er in der Kirche San Marco beerdigt worden.

Auch wenn die Vaterschaft des Gaspard sehr wahrscheinlich ist, so bleibt dennoch eine Sache merkwürdig: François Mourenc/Villeneuve bekam mit Anna von Reiffenberg zwischen 1642 und 1644 immerhin drei Kinder, die alle getauft wurden und leider früh verstarben1.

Dass sein Vater nie zu einer Taufe eingeladen wurde ist seltsam und lässt vermuten, dass es zwischen den beiden Streit gegeben haben könnte. Denn Gaspard starb erst im November 1646. Womöglich liegen die Gründe dafür in den von Mourenc selbst niedergeschriebenen und begangenen Taten im Kampf für die Provence und seinem Widerstand gegen König Louis XIII.

Zweifellos hatte er durch seinen Vater zuvor große Unterstützung erhalten, die ihm seine außerordentliche Bildung ermöglichte. Seine gewählte Ausdrucksweise und sein Intellekt zeigen sich in verschiedenen Schriften deutlich und entsprechen keinesfalls einem armen Schneider-Jungen der damaligen Zeit.

François Mourenc schrieb vor 1642 einen Roman namens „Polyquenne“ über Abenteuer in Asien. Diesen Roman hatte vermutlich seinem Vorbild, dem Pariser Schriftsteller François de Belleforest, nachempfunden. Er nannte sich darin:

Jean Claude François Marquis de
Villeneuve Graf von Torrettes, Baron von Flayosc
und von Callian, erster Herr der Provence

Leider ist dieser Roman bisher verschollen und wurde wohl nie gedruckt. Man schaffte es vermutlich damals nicht, diesen inmitten des Dreißigjährigen Krieges in Druck zu bringen. Nach unseren Erkenntnissen scheiterte es sowohl an Finanzen und den zeitgleichen Diensten für den Papst. Dennoch könnte der Roman noch heute unentdeckt in einem Archiv existieren.

François Mourenc/Villeneuve machte mit Hilfe seines Schwagers Philipp Ludwig von Reiffenberg (der gute Beziehungen zum französischen Hof und zum Papst hatte) als "Marquis de Villanova" eine steile, militärische Karriere. Diese wäre sicher einem "Schneiderjungen" nicht vergönnt gewesen.

Ob er den Marquis-Titel und Namen unrechtmäßig nutzte, ist fragwürdig; seine Erfolge hingegen nicht. Sein Reiterbild hing noch Mitte des 18. Jahrhundert im Rathaus von Fréjus .

Mourenc/Villeneuve schickte damals gleichartige Gemälde an seine Verwandten, den Comte de Torrettes (vermutlich Pierre de Villeneuve) und den Marquis de Vence (Name bisher unbekannt). Man muss daher zwingend davon ausgehen, dass seine Bezeichnung als "Marquis de Villeneuve" geduldet, wenn nicht sogar von den Marquis selbst gewährt wurde.

Sein Gemälde im Rathaus von Fréjus zeigte folgenden Text:

Il Marchese de Villanova,
per la Serenissima Republica de Venetia
Generale de l‘arme in Lavante.
An(no) D(omi)ni 1658 in Candia.

Aus einigen Briefen mit einem leider namentlich nicht genannten Cousin der Familie Villeneuve geht auch hervor, dass er gute Beziehungen zu seinen Verwandten unterhielt und vermutlich berechtigterweise Titel und Namen verwendete.

Unser Ziel ist es nun, den genauen Namen seiner Mutter herauszufinden. Und natürlich eines der damals existierenden Gemälde zu finden, welche entweder in Fréjus oder auch möglicherweise noch im Besitz der Familie Villeneuve sein könnten.

Die Genealogie des Hauses Villeneuve ist von dem vorher erwähnten Lassigny aus drei verschiedenen Genealogien zusammengestellt worden. Eine Quelle davon ist die "Chronique de Vence", die Claude-Alexandre de Villeneuve (†1760) erstellte. In den Fußnoten von Lassigny ist zu Mourenc angemerkt, dass die Chronic de Vence eine "ziemlich detaillierte Mitteilung" enthielt, die aber leider bei Lassigny nicht aufgeführt wurde.

Es ist daher unsere Hoffnung, mit Hilfe der heutigen Nachkommen des Hauses Villeneuve und der Chronique de Vence noch mehr über die Herkunft und Beziehungen zur Familie Villeneuve herauszufinden. Und vielleicht sogar noch eines der Gemälde von ihm.

Bernhard Kärtner

***

1 Um die Gedanken dieses bedeutenden Mannes darzustellen, möchten wir an dieser Stelle noch einmal seine selbst verfasste Trauerschrift über seine drei verstorbenen Kinder darstellen:

Vorbeigehender, bleibe hier stehen und sei neugierig genug, die Schwäche des menschlichen Schicksals des unheilvollen Unglücks zu betrachten, der die Nacht durch dieses Grab von drei der liebenswertesten und schönsten kleinen Kreaturen bevölkert, die die Welt seit langem gesehen hat und wenn Deine Vernunft nicht zu empört ist von der Fahrlässigkeit, belästigt von der Sterblichkeit, bin ich sicher, dass Du für immer erkennen wirst, wie die Freuden dieses Lebens hinfällig und gehaltlos sind und wie sehr der Mensch abweicht von dem, was er sein soll, wenn er seine Großartigkeit und seine Hoffnungen auf die Dauer unseres Jenseits gründet.

Denn wenn das Todesurteil dieser drei sehr illustren Germanen nach den Prinzipien der heutigen Zeit gefällt und vollstreckt worden ist, was sollst Du Dir versprechen, der du im Herbst deines Lebens wandelst und so vieler Vergehen schuldig, die dich erwarten, wenn durch Zufall die Schwäche deines Zustandes deine tiefliegende Weisheit daran hindern will, als Christ, die schicksalhafte Nützlichkeit dieses Mausoleums vorauszusehen. Richte diese Erwartungen voller Reue großzügig durch die Gewissheit zugrunde, die du so leicht haben konntest, von der Ungewissheit Deines letzten Augenblicks.

Wenn Mitleid Deine Seele über das Missgeschick betrübt, welches drei so schöne Sonnen in der undurchdringlichen Finsternis dieses Kreislaufes zugrunde gerichtet hat, reiße Dich von diesem Impuls des Mitleids los, um über das Unglück zu weinen, dass Dir die Kenntnis derer genommen hat, die die Erde verließen um den Himmel zu schmücken. Lebt wohl.


L'origine du marquis

La vie de François Mourenc alias Jean Claude François Marquis de Villeneuve a eu plusieurs facettes, des hauts et des bas. Sans aucun doute, c'était unique.

Bien que l'on ne sache pas grand-chose de son enfance et de sa jeunesse, les recherches menées par le "Pfarr- und Stadtarchiv Reifenberg" ont beaucoup éclairé sa vie et son œuvre.

François Mourenc est l'enfant d'une relation illégitime entre une simple fille de la famille Mourenc de tailleurs de la ville de Fréjus et le marquis Gaspard de Villeneuve. Le prénom de sa mère est encore inconnu.

Cependant, il ressort du contrat de mariage François Mourenc/Villeneuve de 1640 que la mère, déjà décédée à l'époque, possédait une partie du château de Callian, y compris les meubles, et en recevait annuellement 4.100 livres.

Le Château de Callian a appartenu à la famille de Grasse pendant plusieurs siècles. Son père, le marquis Gaspard de Villeneuve, avait épousé Marguerite de Grasse en 1635.

Mais avant cela, des membres de la Maison de Villeneuve sont attestés comme « Sieur de Callian », par exemple un « Malboys de Villeneuve Bargemont », qui, selon des documents des Archives de Fréjus , est déjà mentionné comme tel vers 1590.

Les relations entre les familles de Grasse et de Villeneuve semblent donc plus anciennes.

La généalogie de la Maison de Villeneuve fait de Mourenc le fils illégitime de Gaspard de Villeneuve, ce qui semble confirmé par le contrat de mariage dont nous disposons et la propriété du Château Callian par la famille de Grasse.

Cependant, François Mourenc/Villeneuve ne mourut pas à Venise, comme le suspecte l'éminent généalogiste Lasigny, mais, comme le montre le récit de voyage du baron von Degenfeld, en 1662 sur l'île de Zakynthos. Là, il a été enterré dans l'église de San Marco.

Même si la paternité de Gaspard est très probable, une chose reste étrange: François Mourenc/Villeneuve a eu au moins trois enfants avec Anna von Reiffenberg entre 1642 et 1644, tous baptisés et malheureusement morts jeunes1.

Que son père n'ait jamais été invité à un baptême est étrange et suggère qu'il y a peut-être eu une dispute entre les deux. Car Gaspard ne mourut qu'en novembre 1646. Les raisons en sont peut-être les actes écrits et commis par Mourenc lui-même dans la lutte pour la Provence et sa résistance au roi Louis XIII.

Sans aucun doute, il avait auparavant reçu un grand soutien de son père, ce qui a rendu possible son éducation extraordinaire. Son style d'expression choisi et son intellect sont clairement évidents dans divers écrits et ne correspondent en rien à un pauvre garçon tailleur de l'époque.

Avant 1642, Mourenc écrivit un roman intitulé "Polyquenne" sur les aventures en Asie. Ce roman s'inspire probablement de son modèle, l'écrivain parisien François de Belleforest. Dans celui-ci, il s'appelait:

Jean Claude Francois Marquis de
Ville-neuue Comte de Torrettes Baron de Flaiosq
et de Callian premier gentilhomme de prouence

Malheureusement, ce roman a jusqu'à présent été perdu et n'a probablement jamais été imprimé. Il n'a probablement pas été possible de le faire imprimer en pleine guerre de Trente Ans. Selon nos conclusions, il a échoué en raison à la fois des finances et des services contemporains pour le Pape. Néanmoins, le roman pourrait encore exister aujourd'hui, non découvert dans une archive.

Avec l'aide de son beau-frère Philipp Ludwig von Reiffenberg (qui entretenait de bonnes relations avec la cour de France et le pape), François Mourenc/Villeneuve eut une carrière militaire fulgurante en tant que "Marchese de Villanova". Cela n'aurait certainement pas été accordé à un "garçon de tailleur".

Qu'il ait mal utilisé le titre et le nom de marquis est discutable, mais ses réalisations ne le sont pas. Son portrait équestre était encore accroché à la mairie de Fréjus au milieu du XVIIIe siècle.

A cette époque, François Mourenc/Villeneuve envoie des tableaux similaires à ses proches, le Comte de Torrettes (probablement Pierre de Villeneuve) et le Marquis de Vence (nom inconnu à ce jour). Il est donc impératif de supposer que sa désignation comme "Marquis de Villeneuve" a été tolérée, sinon même accordée, par les Marquis eux-mêmes.

Son tableau à la mairie de Fréjus montrait le texte suivant:

Il Marchese de Villanova,
per la Serenissima Republica de Venetia
Generale de l‘arme in Lavante.
An(no) D(omi)ni 1658 in Candia.

De quelques lettres avec un cousin de la famille Villeneuve, malheureusement non nommé, il ressort également qu'il entretenait de bonnes relations avec ses proches et utilisait probablement les titres et les noms légitimement.

Notre objectif est maintenant de connaître le nom exact de sa mère. Et bien sûr de retrouver un des tableaux qui existaient à l'époque, qui pourrait soit se trouver à Fréjus , soit éventuellement appartenir encore à la famille Villeneuve.

La généalogie de la Maison de Villeneuve a été compilée à partir de trois généalogies différentes par ledit Lassigny. Une source en est la "Chronique de Vence" créée par Claude-Alexandre de Villeneuve (†1760). Dans les notes de bas de page de Lassigny à Mourenc, il est noté que la Chronique de Vence contenait une "communication assez détaillée" qui, malheureusement, n'a pas été répertoriée par Lassigny.

Nous espérons donc, avec l'aide des descendants actuels de la Maison Villeneuve et de la Chronique de Vence, en savoir plus sur les origines et les liens avec la famille Villeneuve. Et peut-être même un de ses tableaux.

Bernhard Kärtner

***

1 Afin de présenter les pensées de cet homme important, nous aimerions énumérer la nécrologie qu'il a lui-même écrite au sujet de ses trois enfants décédés:

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