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Die Gründung des Kloster Walsdorf im Jahr 1156 dürfte primär für die Bewohner von Walsdorf und Würges erfolgt sein. Entsprechend wurde dies von dort durch einmalige Stiftungen und regelmäßige Abgaben unterstützt. Das hessische Hauptstaatsarchiv beschreibt den Inhalt des lateinischen Textes wie folgt:

„(Voll-) Regest Arnold, Erzbischof von Mainz, bekundet, dass der Ordenspriester Gottfried die Leute des Dorfes Walsdorf und der Umgegend dazu gebracht hat, eine verlassene Stätte beim Dorf, auch Walsdorf genannt, ihm zum Gottesdienst zu übertragen. Der Priester und die dort eingesetzten Mönche sowie die Einwohnerschaft haben zudem den Ort dem Erzstift Mainz gegen eine jährliche Abgabe von 1 Goldmünze oder 7 Silbermünzen übergeben. Der Niederlassung wurden Güter zu Würges, Eberbach, Fischbach und Mauloff geschenkt. Weiterhin wird bestimmt, dass der Ort nicht durch einen Vogt, sondern nur durch den Erzbischof von Mainz regiert werden soll.“

Ob die Stiftung des Klosters von Würges ausging ist nicht klar. Primär vorangetrieben wurde es durch Gottfried von Beselich. Allerdings wird der Würgeser Dorfadel in der Zeugenliste explizit erwähnt, was sicher nicht ohne Grund erfolgt. Schauen wir uns die wichtigsten weltlichen Laienzeugen an:

An erster Stelle ist Graf Emicho III. von Leiningen genannt. Zu diesem Zeitpunkt ist er u.a. Vogt des Stift Limburg. Die Gründung des Klosters in Walsdorf fällt in seinen Zuständigkeitsbereich.

Bereits der zweite Zeuge ist Guntram von Hattstein. In vielen Urkunden sind die Erst- oder Zweitgenannten die Stifter der Klöster, daher gehe ich davon aus, dass Guntram Untervogt des Leiningers und der Hauptstifter ist, Emicho als sein Herr genehmigt die Stiftung und Schenkungen. Damit ist aber auch klar, dass Guntram ein Vasall des Emicho III. von Leiningen gewesen ist. Welcher Familie die von Hattstein entstammen ist unklar, allerdings müssen sie m.E. im Umfeld der Leininger zu finden sein und ihren Namen nur lokal nach dem Ort Hattstein benannt haben. Gensicke vermutet hier nicht zu Unrecht die Familie Molsberg dahinter, da der Name Guntram dort zu dieser Zeit und auch schon davor bei den Molsbergern vorkommt. So wird 1084 ein Graf "Guntrannum" von Brechen genannt. Brechen war Königsgut und war schon Lange im Besitz der Molsberger. In der Urkunde von 1084, die bei [Hontheim - Trevirensis I] genannt ist, wird übrigens auch ein Mönch namens Azecho erwähnt.

Wenn die Stiftung also von Guntram ausgeht, wäre es naheliegend, wenn weitere Verwandte anwesend wären.
Allerdings sind keine Molsberger namentlich erwähnt.

Eppo von Selbach ist derzeit nicht zuordenbar. Ich vermute ihn aufgrund des Namens aus dem Umfeld des Kloster Arnstein.

Die Nennung der anwesenden Hofämter ist für unsere potentielle Verwandtschaftsbetrachtung ebenfalls erst mal zweitrangig.

Wichtig hingegen erscheinen uns hier Udelbert und sein Bruder Boemund. Wir ordnen diese den Herren von Idstein und Eppstein zu, denen vermutlich mit der spätere Udelbert von Idstein als Erbauer der Burg Sonnenberg und mit Heinrich Bodo von Idstein als Erbauer der Burg Frauenstein folgten. Diese Familie könnten nach meiner Einschätzung Nachkommen des Udalrich von Laurenburg (ein Sohn des Stammvaters der Laurenburger, Ruprecht von Laurenburg) sein. Aus den Laurenburgern entstand unter den Söhnen des Dudo das spätere Haus Nassau.

Der Vorname Boemund ist vermutlich einer Verwandschaft mit den Saargaugrafen zuzuordnen, eventuell der Familie Warsberg. Der Zusammenhang mit der Burg Frauenstein ist aus unserer Sicht aber wesentlich wichtiger, da von dieser Burg bzw. deren Herren, verwandtschaftliche Rahmenbedingungen ableitbar sind, dazu aber erst später mehr.

Im weiteren werden die Dorfadeligen von Würges genannt: Dietrich von Würges und seine beiden Söhne Konrad und Kraft. Diese Zeugen spielen in meiner Betrachtung die vielleicht wichtigste Rolle, da sie nahe Verwandte der Familien Hattstein (oder Reiffenberg) sein könnten, zumindest aber in Verbindung mit Guntram von Hattstein standen.

In der Erstnennung von Kuno von Reiffenberg 1234, bezeugt er die Stiftung eines Ritters namens Kraft ("Crafto"), dessen Onkel in Kransberg wohnt. Kraft stiftet hierbei ein Viertel seiner Mühle (vermutlich der Erbismühle laut [Kaethner – Weilrod] ) an das Kloster Seligenstadt im Westerwald, als er seinen "Weg in das heilige Land" antritt. Bei diesem Kraft könnte es sich um einen Nachkommen der Würgeser handeln. Der Name Kraft taucht auch 1384 noch auf bei der Familie Hatzfeld auf, die Ganerben der Burg Reiffenberg sind. Der Name Kraft ist aber auch bei der Familie Kleen weit verbreitet gewesen.

[Schliephake] nennt 1217 einen Konrad von Wirges in Bezug auf ein Burglehen in Montabaur an Heinrich von Nassau ("Der Reiche"). Dieser legte damals seinen Streit mit dem Wormser Bischof Theoderich von Wied bei und wurde dessen Burgherr in Montabaur. Dieser Konrad von Wirges war ein Vasall von Heinrich von Nassau und könnte sehr wichtig sein. Zeugen sind hier u.a. Anselm von Molsbach, aber auch Hugo und Heinrich von Stockheim. Die Stockheimer hatten ebenfalls Besitz in Würges.

Bei dem Streit des Konrad von Reiffenberg 1234 um das Patronatsrecht seines Sohnes Kuno über die Kirche von Heftrich mit dem Stift Limburg, wird dies ausgerechnet von den Burgmannen der Burg Montabaur bezeugt. Dies ist sicher kein Zufall. Könnte dies nicht darauf hindeuten, dass Konrad von Würges und Konrad von Reiffenberg eine Person sind ? Wenn man nun noch die Zeugenschaft des Kuno von Reiffenberg bei dem nicht näher bezeichneten Kraft 1234 hinzu nimmt, könnte dies in Anlehnung an die Urkunde von 1156 ein stimmiges Bild ergeben.

Der Vollständigkeit halber: Ebenfalls Besitz in Würges hatten zwischen 1194-1198 die Grafen von Katzenelnbogen [Bolandsche Lehensverzeichnisse], vermutlich auch die Grafen von Diez (Rechtsstreit Heinrich von Weilnau mit Rheingraf Werner 1213 über den Besitz seiner Mutter, u.a. wg. Würges und dem Schloss Dern).