Friedrich von Marburg (erwähnt 1233 bis 1264) ist aus meiner Sicht vielleicht DIE interessanteste Person der Ursprungsforschung für die Hattsteiner und Reiffenberger.

Nicht nur, dass er vereinzelt in den gleichen Urkunden direkt neben einem Hattstein oder Reiffenberg vorkommt, sondern auch, weil er vielleicht bei der Ursprungsforschung weiterhelfen kann.

Warum ist Friedrich von Marburg so interessant?

  • Gemeinsames Auftreten mit Hattsteinern & Reifenbergern, in direkter Zeugenfolge
  • Er stammt vermutlich aus der Familie Bicken und war evtl. verwandt mit dem berüchtigten Inquisitor Conrad von Marburg.
  • Die Familie Bicken KÖNNTE eine Schlüsselrolle bei der Herkunft der Hattseinern spielen
  • Sein Besitz in Frankfurt, den er vermutlich von den von Krüftel geerbt hat, 1240 an das Kl. Haina stiftet

Lebenslauf

1233 - Friedrich von Marburg wird erstmals in einer Urkunde Hartrads von Merenberg (1194 - 1233) erwähnt, als dieser dem Kloster Altenburg Güter (Hauskloster der Münzenberger) verkauft. Friedrich von Marburg wird direkt im eigentlichen Urkundentext hinter seinen Söhnen Conrad und Wittekind v. Merenberg (gleiche Vornamen wie spätere Hattsteiner!) erwähnt. Friedrich wird hierbei als Sohn der Schwester Hartrads von Merenbergs genannt. Ihm folgt als zweiter Zeuge bereits unmittelbar Conrad von Hattstein. Interessant ist in diesem Zusammenhang evtl. dass ebenfalls Zeugen ein nicht näher bezeichneter Kraft war, der immer wieder in Wetzlarer Urkunden vorkommt. Ebenfalls Zeuge: u.a. Giselbert von Eschborn.

1238 - Ulrich von Münzenberg belehnt Konrad von Krüftel als einzig überlebendes Kind des Winther von Kalsmunt mit dessen Lehen, nachdem Konrad nebst seinem Freund Friedrich von Marburg ihn zu Münzenberg aufgesucht und auf die Hälfte des Dorfes Oppershofen verzichtet hat. Mit Konrad werden auch Friedrich und dessen Kinder belehnt. Ebenfalls Zeuge: u.a. Burkard von Ursel. Zu diesem Zeitpunkt hat Friedrich vermutlich bereits Mathilde von Krüftel, die Tochter von Konrad von Krüftel geheiratet. Mathilde war mit Winter von Kalsmunt, dem Burggrafen von Friedberg verheiratet. Als dieser starb, heiratete sie Friedrich von Marburg. Aus dieser Ehe mit Mathilde stammt vermutlich der Besitz von ...

1240 - Friedrich von Marburg stiftet "seinen" Hof in Frankfurt dem Kloster Haina. Dieser Hof wird der spätere Hainaer Hof, direkt nördlich der St. Bartholomäus Kirche. Die Familie und Verwandte der Familie Krüftel stimmen hierbei zu. Die Lage dieses Hofes ist deshalb interessant, weil direkt westlich davon der sogenannte Kepplerhof angrenzt. Dieser Kepplerhof gehörte ca. 1330 einem Dietrich Keppler, vermutlich einem Nachfahr des Dietrich Keppler von Rödelheim. Kuno IV. von Reiffenberg wohnte zu dieser Zeit dort, könnte also ein Verwandter der Keppler sein. Dies könnte gefestigt werden durch eine Urkunde von 1248 als ein Dietrich Keppler von Rödelheim gemeinsam mit Rudolf und Winter von Hollar 1248 auf Ansprüche an Oppershofen zugunsten das Kloster Arnsburg verzichtet. Zeugen sind hier u.a. Winther von Preungesheim und Winter von Reiffenberg, der hier erstmals erwähnt wird.

1252 - Vermacht Ulrich von Münzenberg seinem Schwager Philipp von Falkenstein-Bolanden seine Burg in Königstein. Die Zeugenliste nennt hier u.a. in Reihenfolge: "... den Schultheiss Wolfram (von Frankfurt), Winther von Bruningesheim, Otto von Kronberg, Winter von Reiffenberg, Friedrich von Marburg, ... , Conrad von Sulzbach, ...".

1253 - bezeugt Friedrich zwei weitere Münzenberger Urkunden. In der 1. Urkunde überläßt Ulrich eine Mühle bei Münzenberg an der Wetter seinem Blutsverwandten Gerlach von Limburg, bis er dessen Mühle in Hörgern von dem Anspruch der Gebrüder Eberwin und Konrad von Krüftel befreit hat. In der 2. Urkunde überläßt Ulrich eine Mühle in Kistelberg seinem Vogt zu Dieburg. In letzter Urkunde ist Friedrich von Marburg erstgenannter Zeuge.

1254 - überträgt Ulrich von Münzenberg dem Mainzer Domkapitel das Patronatsrecht von (Bad) Nauheim. Zeugen sind in Reihenfolge: Gerlach von Limburg, Friedrich von Marburg, Johann von Heusenstamm, Conrad von Sulzbach.

1255 - verzichtet der gleiche auf Ansprüche an einem Haus in Sachsenhausen und dem Patronatsrecht an der Kirche in Wöllstadt. Zeuge u.a. Friedrich von Marburg.

1264 - ....?

Weitere urkundliche Erwähnungen sind bisher nicht bekannt, allerdings gibt es wohl noch einige in den Wetzlarer Urkundenbüchern, die wir hier noch auflisten werden.

Herkunft des Friedrich von Marburg

Aus dem Hessischen Jahrbuch für Landeskunde - Band 1 (1952):

In seiner Abhandlung über den Magister Conrad von Marburg, den bekannten und berüchtigsten Inquisitor des 13. Jahrhunderts, geht Karl Hermann May auch auf Friedrich von Marburg ein und wirft die Frage der Verwandtschaft mit Conrad auf. Seine Herkunftsbezeichnung "von Marburg" ist nicht eindeutig, da in Marburg mehrere adelige Familien ansässig waren. May unterscheidet aber eine Linie der Marburg, Bicken, Kalsmunt dagegen. Als Grund hierfür nennt er Friedrichs Wappen, einen doppelt geschachten Schrägrechtsbalken, aber auch Besitz in Seelheim, der mehrfach urkundlich belegt ist.

"Es handelt sich dabei um Anteile an der auf einen Reichshof zurückgehenden fuldischen Vogtei, mit der ursprünglich die Hofherren, auch unter dem Namen der Herren von Amöneburg vorkommend, belehnt waren." Der erste bekannte Besitzer des Hofes war ein Friedrich (1234 - 1236). Der Vorname Friedrich kommt auch bei anderen Bicken-Familien vor: Conrad von Marburg selbst nennt 1233 in seiner Zeugenliste für die Heiligsprechung der Elisabeth einen Friedrich von Bicken, welcher der Heilung eines Mädchens namens Azecha beiwohnt. Aber auch der Name Conrad ist bei den Bicken bereits 1174 erstmals erwähnt. Als weiteren Grund nennt May noch die Nähe zum Praemonstratenser-Orden, welcher die Merenberger, die bedeutende Schenkungen an das Kloster Arnstein machten, unterstützten.

Aus dem Hessischen Jahrbuch für Landeskunde - Band 25 (1975):

In einem weiteren späteren Artikel über die Grafschaft Gleiberg präzisiert May seine Theorie auf S. 35: die 1233 genannte Sophia, die mit einem Friedrich von Bicken genannt war, sei Friedrich von Marburgs Mutter, also eine Sophia von Merenberg. Ihren Vater bezeichnet er nun als Conrad von Merenberg (1952 ging er noch von Hartrad von Merenberg aus). May begründet diese Vermutung durch Besitzrechte der Merenberger.

Besonders interessant wird diese Theorie daher, weil die Leitnamen Conrad und Wittekind der Merenberger in der nächsten Generation der Hattsteiner auftauchen. Die Zeugenschaft des Conrad von Hattstein in der einzigen Merenberger Urkunde direkt hinter Friedrich von Marburg, belegt zwar keine direkte Verwandschaft, läßt aber die Herkunft der Hattsteiner nicht nur namentlich in den Dunstkreis der Familie Merenberg rücken.

Und dann war da noch...

... die Ähnlichkeit des Wappens der Bickenschen Linine von Friedrich von Marburg mit dem Wappen der Familie von Biegen. Diese Untersuchung möchten wir allerdings an anderer Stelle aufzeigen, weil sie vielleicht elementar wichtig sein könnte.

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