Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kann der Sohn Graf Waldpotts von Bassenheim, Franz Emmerich Wilhelm, die Reiffenberger Ländereien endlich komplett in Besitz nehmen. Solange nämlich hatte Mainz immer noch Anspruch daran erhoben und 7/8 der steuerlichen Einkünfte bezogen. Franz verwaltet Reiffenberg allerdings noch nicht selbst, sondern sein Bruder Casismir Ferdinand Adolph, Domherr zu Mainz.

1710 Im Dezember wandert der bei Haiger lebende Johann Georg Reiffenberg nach New York aus und begründet damit den Stamm der heute in Amerika lebenden Reifenberger. Die heute dort ca. 600 lebenden Familien haben mittlerweile die unterschiedlichsten Namensvariationen: z.B. Rivenburgh, Rivenburg, Rifenburgh, Rifenburg, Rivenberg, Ritenburg, Rifenbark ...

Nach Franz' Tode 1720 verwaltete Casimir die Güter weiter, bis 1729 sein Neffe diese Aufgabe übernahm. Casimir Waldpott von Bassenheim (*1642) war ursprünglich für die militärische Laufbahn bestimmt gewesen, quittierte aber als Oberstleutnant beim kaiserlichen Kürassier-Regiment Metternich seinen Dienst, um sich dem geistlichen Stande zuzuwenden. Darin brachte er es zu erquicklichen Ehren: er war Domscholaster zu Mainz, Chorbischof zu Trier, Geheimrat und Statthalter zu Mainz und Oberamtmann zu Amorbach. Er weilte übers Jahr in Mainz und Aschaffenburg und hielt sich in Reiffenberg mehrer Tage im Jahr auf.

Nach alten Aufzeichnungen und Erinnerungen zu urteilen, muß er viel Gutes für sein "Bassenheimer Ländchen" getan haben, stets bemüht, die wirtschaftliche Not der Einwohner dieser klimatisch harten und geologisch kargen Gegend zu lindern.

1711 werden unter seiner Regentschaft die St.-Casimir-Kirche in Seelenberg und die Hl.-Kreuz-Kapelle in Reifenberg fertiggebaut, konsekriert und benedeziert. Sein größter Wunsch ist es eigentlich, den Leichnam seines Vorfahren, des letzten Reifenbergers Philipp Ludwig , von Königstein heimzuholen und in der Reifenberger Kapelle beizusetzen.

1723 führt er in seinen Feldbergdörfern die Nagelschmiedeindustrie ein, welche für150 Jahre die Haupterwerbsquelle dieser Gegend sein wird. Zwischen Schmitten und Reifenberg arbeitet ein Eisenhammer zur Gewinnung des "Zain-" oder "Krauseisens" auf Hochturen. Schuhnägel, Deck-, Schindel-, Boden-, Sattler- und Tapeziernägel hämmern die Arbeiter von 5:00 Uhr morgens bis 19:00 Uhr am Abend - 2500 Stück im Tagesdurchschnitt pro Tag und Arbeiter. Frühstückspause findet von 8:00 bis 9:00 Uhr, Mittagspause von 12:00 bis 13:00 statt. Für einen Schuhnagel sind 25 Schläge mit einem zwei Pfund schweren Hammer nötig. Ein hartes Brot !

1730 Am 6.11. entschläft Casimir von Waldpott-Bassenheim und findet seine letzte Ruhestätte in der Bassenheimer Gruft im Mainzer Dom. In diesem Jahr erfüllt sich auch der Wunsch von ihm: die Überführung des letzten Reifenberger Ritters in seine Heimat.

1762 werden auch die Eltern Philipp Ludwigs von Reiffenberg in der Oberreifenberger Hl.-Kreuz-Kapelle beigesetzt.

1767 In diesem Jahr erlischt mit dem Tode Konstantin Philipps von Hattstein die alte Familie Hattstein-Reiffenberg endgültig. Der Hattsteiner Besitz fällt an Bassenheim.

Ein interessantes Intermezzo erlebt Reifenberg von 1768 - 1783 In dieser Zeit existiert hier eine Bergwerksgesellschaft, die -wie eine Abrechnung von 1783 zeigt- aber nie rentabel war. Den am 29. May 1769 geschlossene Vertrag zwischen dem Grafen von Bassenheim, Franz Wilhelm von Loskand, Dr. Johann Wilhelm Baumer, dem Pfarrer Thomas Hoffmann und einigen anderen, unterzeichnete von Bassenheim, übrigens nicht weniger als neun Titeln: u.a. mit dem eines "königl. Kaiserl. Majestät Kammern wirklichen geheinem Rathen", eines Kammergerichtspräsidenten, dem dem "des hohen teutschen Ordens Erbrittern" und "einer ohnmittelbaren freyen Reichsritterschaft am mittleren Rheinstrome erbettenen Ritter Hauptmann".

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