Der Marquis de Villeneuve hatte in der Vergangenheit in der geschichtlichen Literatur für den Hochtaunus nur eine untergeordnete Rolle gespielt, obwohl man sich im Stillen immer wieder gewundert hatte, was einen venezianischen Werbeoffizier in den Taunus geführt und dort für lange Zeit gehalten hat. Alles war schnell damit abgetan, da man in der Liebe zur Schwester des letzten Herrn auf Reifenberg, des Domherrn Philipp Ludwig, zusammen mit den breiten, durch den Dreißigjährigen Krieg ausgelösten Bevölkerungsverschiebungen das Urmotiv sah.

Der Lokalhistoriker Bernhard Kärtner, dessen familiärer Ursprung in der Herrschaft Reifenberg liegt, ließ es damit nicht bewenden.

Ausgelöst durch eine Aussage des Schultheißen Johann Krimmel zur Person Villeneuves, der glaubte in Villeneuve einen Hochstapler zu kennen, der in Wirklichkeit ein Schneiderbürschchen war, taucht Kärtner in die Geschichte des Türkenkriegs der Republik Venedig ein und beleuchtet nicht nur Villeneuves Rolle in dieser militärischen Auseinandersetzung, sondern fördert auch das Todesdatums zu Tage und vor allem die Rolle Reifenbergs und Villeneuves, welche die Truppenaushebung im Taunus zu einem einträglichen Geschäftsmodell machten. Damit gewinnt man neue Eindrücke für die Biografie Reifenbergs und dessen Verbindungen zu europäischen Bankhäusern, zu hohen kirchlichen Kreisen Italiens und in die französische Politik.

Kärtners Recherchen lassen es zu, in dem provencialischen Adligen einen illegitimen Spross des Hauses Villeneuve zu sehen, der später, als er erfolgreich im Militärgeschäft unterwegs war, anerkannt worden sein könnte. Mit seinem Büchlein vereint Kärtner Lokalgeschichte mit europäischer Geschichte.

Heinz-Peter Mielke1


1 Dr. Heinz Peter Mielke ist 1972 Initiator und Mitgründer des Geschichtsverein Hochtaunus e.V. gewesen. Er führte von 1967 bis 1969 archäoloigische Studien an der Burg Hattstein durch. Seine Dissertation von 1977 behandelte die Geschichte der Familie von Hattstein. Er veröffentlichte etlichen Publikationen zu den Herrschaften von Reifenberg und Hattstein, zuletzt die "Die Reifenberger Gerichtsbücher und das Arnoldshainer und Hattsteiner Protokoll 1520-1680" im Jahre 2018. Das Niederrheinische Freilichtmuseum des Kreises Viersen in Grefrath leitete er 30 Jahre lang bis zu seinem Ruhestand. Heute lebt er in Dithmarschen.


Anmerkungen von Lesern über "Villeneuve":

>> Durch dieses Buch bekommt der Leser einen umfassenden Einblick in Villeneuves Leben und Werdegang. Die unterhaltsame Schilderung unterstreicht gleichzeitig die akribischen, tiefgründigen Recherchen. Macht Lust auf mehr. Sehr empfehlenswert! <<

>> Das war ein Meisterwerk! <<

>> Ein erstklassig recherchiertes Werk, das den Leser mitnimmt auf eine Reise, die von Reifenberg bis ins Mittelmeer führt und ihn sogar an den europäischen Kriegsereignissen des 17. Jahrhundert teilhaben lässt. Der Marquis de Villeneuve steht zwar im Mittelpunkt der Geschichte, aber das Buch beleuchtet auch andere Personen, deren Nachkommen noch heute in Reifenberg und Umgebung leben.  <<

>> Ein kleines historisches, auf Fakten basierendes Schmankerl, dass sich wie ein Roman liest und keine Überraschungen über eine Person auslässt, die erst jetzt in den Fokus geraten ist. <<

>> Ein Gewinn für die Reifenberger Geschichte. <<


Das 161-seitige Hardcover-Buch erschien am 26. Januar 2022 für 17€ im Café Waldschmitt in Oberreifenberg oder im Pfarr- und Ortsarchiv Reifenberg. Aktuell kann das Buch nur im Pfarr- und Ortsarchiv gekauft oder bestellt werden.

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