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Ausschnitt Lithographie-Ansichtskarte
um 1900 [Quelle: unbekannt]

Das derzeit dem Verfall preisgegebene alte Haus Hauptstraße 4 in Niederreifenberg hat schon bessere Zeiten erlebt. Das im Fokus stehende Anwesen liegt im alten Ortskern und bedarf auch einer kulturhistorischen Betrachtung. Die Interessengemeinschaft Pfarr- und Ortsarchiv Reifenberg (IG PFORA) hat Unterlagen und Fakten zusammen­ge­tragen, um auch einen geschichtlichen Blick auf das Haus zu werfen.

Als ältestes noch erhaltenes und unter Denkmalschutz stehendes Fachwerkgebäude Nieder­reifenbergs ist es Bestandteil der Keimzelle des Ortes. Seine Nähe zur durchfließenden Weil legt eine Beziehung der Anwohner zum unmittelbar anliegenden Mühlenbereich nahe. Seine Entstehungszeit wird um 1800 vermutet, ob es gar noch älter ist, bedürfte genauerer Untersuchungen.

In seiner Gestalt spiegelt es die Geschichte des ehemaligen Ortsteils von Reifenberg wider, das vom entbehrungsreichen und harten Leben von Nagel­schmieden berichtet. Damals klangen dort und in den umliegenden Schuppen die Hammerschläge, die das Eisen zu Nägeln formten. In dem Nagelschmiedehaus brannte einst das Feuer, das als karger Broterwerb in vielen Familien das Überleben sicherte.

Sollte das Baujahr stimmen, existierte zurzeit seiner Errichtung noch kein eigenständiges Dorf Niederreifenberg, es lag im Herrschaftsbereich des Mainzer Erzbischofs und Napoleon hatte die Deutschen Staaten noch nicht mit Krieg überzogen.

Den Namen „Mühlbachhaus“ hat es von seinen letzten dort wohnenden Eigentümern, doch fanden darin viele Familien mit Namen wie "Wagner" und "Brendel" ihre Heimat. Familiennamen, die noch heute zu ortsansässigen Familien gehören. Dass das Anwesen vor 120 Jahren einen besonderen Platz in der Gemeinde einnahm, ist seiner weiteren Entwicklung geschuldet.


Lithographie-Ansichtskarte um 1900 [Quelle: unbekannt]

Es ist kein Zufall, dass dieses Haus explizit auf einer Ansichtskarte des Ortes als Vorzeigehaus diente. In dem damals ansehnlichen Gebäude war ein „Schuh- und Specereigeschäft“ untergebracht, welches für die Versorgung der örtlichen Bevölkerung wichtig war.

Sein besonderes Äußeres zeugte von dem Erfolg des Gewerbes der Händler und einem umfangreichen Warensortiment um 1900, das für den Haushaltsbedarf der Niederreifenberger Bevölkerung wichtig war.
Mehrere Jahrzehnte lang wurde dort später zudem ein Friseurladen betrieben.

Zur Historie des Anwesens hat das Pfarr- und Ortsarchiv Reifenberg eine Dokumentation zusammengetragen, sucht aber auch weitere Informationen und Bilder aus der Bevölkerung, um das bisherige Bild zu vervollständigen.
Über weitere Hinweise oder Beiträge dazu an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder unter 0152 0188 2984 würde sich die Interessengemeinschaft sehr freuen.