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Am 30.11.2020 feiert die katholische Kirchengemeinde St. Johannes der Täufer von Niederreifenberg ihr 40-jähriges Kirchenjubiläum für das Gebäude am Zassenrainweg. Dies gibt Anlass, einen Rückblick auf die Anfänge der Baugeschichte zu halten.

Bereits 1968 ergab sich eine richtungsweisende Ermittlung der Bausubstanz der alten Kirche, die sich an der Straße „Zum Johannisstein“ befand. Die ursprüngliche Planung, einer Neugestaltung des Altarraums durch den Architekten Hofmann, erwies sich als nicht mehr rentabel, sodass die Bauverwaltung der Diözese Limburg zu einem Kirchenneubau riet.

So begaben sich die Pfarrgemeindegremien ab 1975 in die ersten Planungen eines Neubaus. Um Anregungen für ein neuzeitliches Kirchenkonzept des Architekten Hofmann zu finden, das weltliche und kirchliche Bedürfnisse unter ein Dach zu bringen suchte, ging der Pfarrgemeinderat auf der Suche nach Vergleichsbauten auf Reisen, die ihn sogar bis in die Schweiz führte.

Auf der Suche nach einem geeigneten Bauplatz favorisierte man eine Wiese oberhalb des Kindergartens, die sich im Eigentum der Kirchengemeinde St. Georg von Oberreifenberg befand. Als am 15.1.1977 der Bauantrag gestellt wurde, befand sich das Grundstück noch in fremdem Eigentum. Erst am 24.1.1978 konnte der Erwerb vollzogen werden. Der erste Spatenstich stand am 10.3.1979 bei winterlicher Witterung mitten im Schneegestöber an. Die Grundsteinlegung am 14.6.1979 fand großen Anklang bei den Katholiken von Niederreifenberg. Die Bauarbeiten gingen zügig voran, sodass man bereits am 16.10.1979 das Richtfest feiern konnte.

Zur Finanzierung der Innenausstattung waren kreative Lösungen gefragt. Hier ist insbesondere das persönliche Engagement des Pfarrers Kögel zu erwähnen, der sich von Haus zu Haus begab und sogenannte „Bausteine “ verkaufte. Auch die restlichen, nicht mehr benötigten Orgelpfeifen der alten Kirche wurden versteigert. Auf diese Art fanden auch andere alte Gegenstände der alten Kirche einen neuen Eigentümer und trugen zur Finanzierung der Neueinrichtung bei.

Gleich zwei besondere Gottesdienste fanden am 30.11.1980 für die Kirchenmitglieder in Niederreifenberg statt. Um 11 Uhr feierte zuerst die Pfarrgemeinde ihren letzten Gottesdienst in der alten Pfarrkirche, die anschließend entweiht wurde. Am selben Nachmittag um 14.30 Uhr vollzog der Weihbischof Pieschl aus Limburg, im Rahmen eines vierstündigen Gottesdienstes, die Einweihung ( Konsekration ) des neuen Pfarrzentrums. Vor vollem Haus zelebrierte er unter Mitwirkung des Dekans Josef Kögel, des Bezirksdekans Simon von Kronberg, von Pfr. Heinze aus Königstein, Pfr. Daum aus Schlossborn, Pfr. Dexelmann aus Oberreifenberg und Pfr. Boudonnet aus Moulins la Marche den Festgottesdienst. Bruder Alois Messer, ein gebürtiger Niederreifenberger, der damals dem Orden der Palottinern in Limburg angehörte, war maßgeblich an der Vorbereitung des Gottesdienstes beteiligt. Insbesondere zeichnete er sich verantwortlich für die Besorgung der Reliquien, die in den Altar eingelassen wurden. Dabei handelte es sich um Reliquien der Hl. Hildegard, des Märtyrers Bonifatius, Vinzenz Palotti sowie eines walnussgroßen gelblichen Steins des Golgathahügels in Jerusalem.

Zur weiteren Gestaltung der Einweihungsfeier trugen maßgebliche Vertreter von Kirche, Politik und Vereinen bei. Zu erwähnen wären Rolf Hermann als Vorsitzender des Pfarrgemeinderates von Niederreifenberg, Theo Waldschmidt als Vertreter des Pfarrgemeinderates Oberreifenbergs, Bürgermeister Georg Hahl sowie der Kreisbeigeordnete Richard Reuter. Für die gesamte musikalische Umrahmung der Einweihungsfeier sorgte der Kirchenchor „Cäcilia“, der von Mitgliedern des Staatsorchesters Wiesbaden begleitet wurde. Der Tag klang mit einem fröhlichen Fest in den neuen Gemeinderäumen aus.


Text: Karl Breitung & Susanne Eckermann, Bilder: Susanne Eckermann, Kurt Gies, Josef Berbott, Manfred Kunkel und Karl Breitung